EINFÜHRUNG 1998 zusammengestellt von Dörte Witte - Bearbeitet 2007

Der große Philosoph Konfuzius (551 - 479 v. Chr.) war gleichzeitig auch ein bedeutender Pädagoge. Seine Forderung:

"Erzähle mir und ich vergesse,
zeige mir und ich erinnere,
laß es mich tun und ich verstehe!"

ist heute in der modernen Pädagogik aktuell und richtungweisend. Besonders in der Grundschulpädagogik sollten uns diese Worte Konfuzius' ein Leitfaden und Richtlinie für ein pädagogisches Konzept sein.

Man muß vorsichtig sein, für die Grundschulerziehung inhaltlich feste Ziele und Richtlinien zu setzen, zumal die enorm wechselnden Lebens- und Gesellschaftsformen nicht voraussehen lassen, was den Kindern, deren Erziehung uns heute anvertraut ist, in 15 - 20 Jahren an Lebensleistung abverlangt wird. Deshalb sollten wir generell anstreben, unsere Kinder zu selbständigen, freihandelnden und kreativ denkenden jungen Erwachsenen heranzubilden! Das ist ein langer Prozess und muß deshalb schon gezielt in den ersten Schuljahren geplant werden.

Da wir an einen feststehenden Lehrplan und akademisch ausgerichtete Zielsetzungen gebunden sind, sollten wir nach Wegen suchen, neben allen hohen Leistungserwartungen noch genügend Zeit einzuräumen für die kreative, musisch-gestalterische und eigenverantwortliche Seite der Erziehung, sowie auch für die soziale Entwicklung! Jegliche Überforderung, sowie auch Unterforderung , hat bei Kindern ein schwaches Selbstbewußtsein, Unsicherheit und demzufolge schwache Leistungen oder einen Leistungsabfall zur Folge. Aus diesem Grund ist ein ausgeglichenes Unterrichtskonzept, besonders für Grundschulkinder, von äußerster Wichtigkeit!

Im Wechsel von Fachunterricht, Freier Arbeit, (E v A) lehrgangsgebundenen und projektbezogenen Phasen erfahren die Kinder die Möglichkeit individuellen, gemeinsamen und gelenkten Lernens. So lernen sie auf natürliche Weise zuzuhören und Gehörtes zu verarbeiten, sich im Helfersystem aufeinander einzustellen, oder auch verantwortlich das eigene Lernen zu gestalten, zu planen, durchzuhalten und die Ergebnisse zu vermitteln.

Die Zielsetzung der Erziehungsarbeit an der PSS sollte sein:-

  • die Neugier des Kindes erhalten, fördern oder auch wecken.
  • dem Kind die Möglichkeit bieten, auch für sein Lernen mitverantwortlich zu sein.
  • ein "ganzheitliches" Lernen anstreben; mit "Kopf, Herz und Hand".
  • dem Kind die Fähigkeit beizubringen, sich auf verschiedene Weise zu artikulieren und zu kommunizieren.
  • das soziale Lernen fördern; gegenseitige Akzeptanz, Einsicht und Verhaltensänderung, stabiles Selbstbild.

Methodische Möglichkeiten zur Umsetzung unserer Ziele:

  • Wir gehen davon aus, daß ein Kind optimal lernt, wenn es seinen Lernweg findet.
  • Darauf achten wir, wenn wir die im Lehrplan vorgegebenen Themen in einer unseren Schülern angemessenen Form und Reihenfolge behandeln.
  • Wir stellen den Kindern in den Klassenräumen eine Vielzahlt von Arbeitsmittel zur Verfügung und führen Techniken ein, die den Kindern in der Gruppe und individuell, z.B. Untersuchungen, schöpferische und productive Arbeit, Übungen zur Festigung des Gelernten und Selbstkontrolle ermöglichen.
  • Wir verschaffen den Kindern einen möglichst weitgehenden und vielseitigen Kontakt mit der Wirklichkeit (z.B. durch Projekte, Projektwochen, Arbeit im Schulgarten, Erkundungen, Fachleute in der Klasse, Anschauungsunterricht).
  • Im Rahmen des Unterrichts schaffen wir Freiräume; z.B. freie Arbeit in der Klasse, freie Aktivitäten im Sport, geplantes und selbstbestimmtes Einteilen der Arbeit.
  • Wir akzeptieren unsere Schüler und helfen ihnen bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit (<<Ich mag dich - und ich möchte, daß du trotzdem dein Verhalten in diesem Punkt änderst>>).
  • Im Umgang miteinander versuchen wir eine Ebene zu schaffen, die von gegenseitiger Achtung und Partnerschaftlichkeit geprägt ist.
  • Wir möchten eine Atmosphäre schaffen, in der das ständige Lernen selbstverständlich ist.
  • Wir begleiten und unterstützen die Schüler bei der Übernahme der Verantwortung für sich selbst (z.B. Einzelgespräche, Klassenrat, Gesprächskreis, Berichte).
  • Wir wollen unseren Unterricht so organisieren, daß möglichst jeder Schüler mehr Erfolg als Mißerfolg hat.

Für uns bedeutet Lernen ein lebenslanger Prozeß. Deshalb möchten wir als Lehrer auch für die Kinder als Lernende erfahrbar sein.

In einer "Information Bildung und Wissenschaft, Bonn 2/89. s22" heißt es:

  • Lehrpläne und Unterrichtsmethoden sollten allen theoretischen Ballast abwerfen, um Platz für anwendungs- und handlungsorientierten Unterricht zu schaffen, der die Schüler das Gelernte in der Wirklichkeit erproben läßt.
  • Bei den Lehr- und Lernmethoden sollte starker darauf geachtet warden, daß jeder Schüler seine Begabung und Neigungen möglichst optimal entfalten kann.
  • Schülerinnen und Schüler bringen nur Höchstleistungen, wenn sie merken, daß sie nicht nur selbst angefordert werden, sondern ihre Forderungen nach einer Schule für das Leben bestätigt warden. Dies bedeutet, daß Lernen von ihnen auch als produktives Handeln verstanden werden muß.
  • Über offene Angebote hinaus sollte die sogenannte "Freizeit" der Kinder und Jugendlichen in die Schule einbezogen werden.
  • Wir müssen von der Vorstellung Abschied nehmen, daß Kinder immer von selbst motiviert wären, in einer Schule zu lernen.
  • Schule sollte sich für die Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen und Personen öffnen.
  • Eine wichtige Aufgabe kommt in diesem Zusammenhang der Lehrerbildung zu. Daher ist die Intensivierung der Lehrerbildung, in Aus- und in Fortbildung, eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen der genannten Ziele.
  • Ebenso können Eltern dazu beitragen, Kindern auch in schwierigen Situationen beizustehen und ihnen den Mut zu geben, Schule als etwas Schönes, Positives und Zukunftweisendes zu erleben.

Immer wieder sollten wir alle (Treuhänder, Vorstand, Lehrkräfte und Eltern) uns vor Augen halten, daß wire s mit Grundschulkindern zu tun haben, die 6 - 13 Jahre alt sind, und die in diesem Alter entwicklungsmäßig (physisch, wie psychisch!) bestimmte Bedürfnisse haben. Das bedeutet, daß wir Lernbedingungen schaffen müssen die kindgerecht sind und dem Entwicklungsstand unserer Kinder entsprechen.


Was ist unser Langzeitziel an der P.S.S.?

Was wollen wir erreichen?

  • Bildung
  • Selbstbewußtsein
  • Kreativität
  • Soziale Anpassungsfähigkeit
  • Eigenverantwortliches, selbstständiges Handeln
  • Kritisches Denken
  • Selbstdisziplin
  • Lebenslanges Lernen

Die Frage, wie ich als Lehrer der P.S.S. diese Fähigkeiten bei den Kindern fördern und stärken kann, sei in Punkten umrissen:

  1. Unterrichtsplanung und Vorbereitung
  2. Pädagogische Ideen zur Durchführung des Unterrichts.
  3. Offener Unterricht, Freiarbeit, E.v.A.
  4. Hausaufgaben
  5. Disziplinar- und Strafmaßnahmen
  6. Hilfe zum Lernen bei Problemen in der Klasse.
  7. Leistungsbewertung
  8. Arbeitsgemeinschaften, organisierte Freizeitgestaltung.
  9. Ausflüge, Exkursionen, Projektwochen, Schulfahrten.
  10. Lehrer und Eltern - Schule und Elternhaus.
  11. Lehrerversammlung, pädagogischer Tag, Lehrerfortbildung.

1.  Unterrichtsplanung und Vorbereitung:

Jede Planung und Vorbereitung des Unterrichts sollte unter Berücksichtigung der folgenden Überlegungen geschehen.

•  Zusammensetzung, Vorgeschichte, geistiges und soziales Klima der Klasse.

•  Haltung, Arbeitsweise, Ansprechbarkeit und Leistungsstand der Klasse.

•  Arbeitsbedingungen in der Klasse und Schule.

•  Erfahrungsbereich der Schüler, häusliche Verhältnisse.

•  Anschauungen, Hinweise, Beobachtungen, Versuche und Modelle sind geeignet, damit Schüler selbstständig ein Problem bearbeiten.

•  Der Unterricht muß in Abschnitte, Phasen oder Stufen eingeteilt warden.

•  Einsatz von Lehr-, Hilfs- und Arbeitsmittel, und organisierte Arbeitseinteilung sind Vorraussetzung des Unterrichts.

•  Welchen Sinn- und Sachzusammenhang vertritt der betreffende Lehrinhalt? Welche Bedeutung hat er für das Kind?

•  Bezug des Lehrinhaltes zur Zukunft des Kindes. Braucht es das Erlernte für die Zukunft?

•  Welches Problem, welche Methode, Technik oder Haltung läßt sich durch den betreffenden Lehrinhalt exemplarisch erfassen? (Qualität vor Quantität).

 

2. Pädagogische Ideen zur Durchführung des Unterrichts

•  Gliederung des Unterrichts in Abschnitte oder Phasen.

•  Die Wahl der Unterrichts-, Arbeits-, Spiel-, Lern-, Übungs- oder Wiederholungsform.

•  Der Einsatz von Hilfsmitteln, Lehr-, Lern-, Arbeitsmittel - so anschaulich und kindgerecht wie möglich.

•  Die organisatorische Vorraussetzungen des Unterrichts sichern; organisatorische Vorbereitungen treffen.

•  Bestimmte Verhaltensweisen und Arbeitstechniken mit der Klasse üben "Klassensprache" .

•  Einen Jahres-, Trimester-, Wochen-, Tages- und Stundenplan erstellen; als Rahmenplan benutzen.

•  Bei der Plan-vorbereitung den Zeitfaktor und die Auswahl an Lehrstoff einkalkulieren.

•  Binnendifferenzierung in der Klasse, wo möglich, durchführen. Dabei den optimalen Lernstil (audio visuell usw.) der Schüler beachten / berücksichtigen.

•  Offenen Unterricht mit Freiarbeit, E.v.A. einplanen; praxisnah und aktuell.

 

3.  Offener Unterricht, Freiarbeit und Eigenverant-wortliches Arbeiten (E v A)

Traditionen in der Schule verändern sich durch die praktische Arbeit von Lehrern und Schülern - kaum durch Schulerlasse und Schulprogramme. Dabei ist ein gewisses Maß an Offenheit gegenüber ungewohnten, neu zu erprobenden Lehrmethoden notwendig. Diese Offenheit fängt jedoch bei uns selber an und wir müssen uns als Lehrer immer wieder auf Offenheit prüfen.

In der Freiarbeit und dem Eigenverantwortlichen Arbeiten (E v A) geht es darum, den Schülern Verantwortung für das eigene Lernen zu übertragen. Dabei schlüpft der Lehrer oft "nur" in die Rolle des Moderators / Mediators. Dieser Zugang zur Erziehung ist offen für:

•  neue Konzeptionen und Erkenntnisse vom Lernen.

•  individuelle Interessen und Erfahrungen.

•  die Freiheit der Kinder neben und nach dem formellen Unterricht das eigene Lernen (Lernquantität und Lerntempo) mitzubestimmen und mitzutragen.

•  Veränderungen in der unmittelbaren Lebenswelt der Kinder.

•  "Lernen und Leben" als ganzheitliche Erfahrung für die Kinder, in der Wechselbeziehung von Schule und Umgebung zu ermöglichen.

•  Zugänge aus der Schule heraus zu den Gegenständen des Alltags, der Natur und zum Alltagsleben der Gemeinschaft und der Stadt Swakopmund zu eröffnen.

•  die Möglichkeit, das Lernen zu lernen und das Erlernte praktisch anzuwenden, z.B. im Labor.

•  Lernen durch Selbstentdecken im Gegensatz zum Prinzip des Nachvollziehens von Vorgedachtem; (also praktisches Lernen durch Projektwochen, Projekte, Freiarbeit).

•  Lernberatung des Lehrers, der aber auch Umwege, Irrwege und Fehler als notwendigen Bestandteil des Lernprozesses akzeptiert und dann entsprechend berät. (Leistungsschwache Schüler)

•  eine fachgemäße Lernumgebung mit fachorientierten Materialien, Spielen, Karteien, Experimentierecke und Lernflächen.

 

4.  Hausaufgaben

Der Sinn der Hausaufgaben für den Lehrer:

  1. Kontrolle , ob die Arbeit, der Lehrstoff, der in der Schule gelehrt wurde,verstanden worden ist. Als Lehrer kann ich am besten helfen, wenn ich sehe, wo ich ansetzen muß, wenn etwas nicht verstanden worden ist.
  2. Vertiefung und Übung bestimmter Regeln (z.B. 1 x 1, Kommaregeln und Fertigkeiten).
  3. Das Lernen im Klassenverband ist ein soziales Lernen; bei den Hausaufgaben ist es ein individuelles Arbeiten, ein selbständiges Arbeiten, das auch geübt werden muß.

Der Lehrer sollte stets darauf achten, qualitative Hausaufgeben zu erteilen, gezielt und exemplarisch und keineswegs quantitative.

Die "Initiativgruppe Solingen" (eine ständige pädagogische Arbeitsgruppe) hat in einer Studie folgende Richtlinien vorgeschlagen:

Durchschnittsschüler sollten im:
1. + 2. Schuljahr maximal 30 Minuten mit Hausaufgaben verbringen.
3. Schuljahr maximal 40 Minuten
4. Schuljahr maximal 40 - 50 Minuten
5. + 6. Schuljahr maximal 50 - 60 Minuten
7. Schuljahr maximal 75 Minuten.

Jeweils die Hälfte der Zeit, die für Hausaufgaben veranschlagt ist, sollte mit schriftlicher Arbeit, die andere Hälfte mit mündlicher Arbeit (Lesen, Gedicht lernen) verbracht werden.

Wie, wann und wieviel sollen Eltern bei den Hausaufgaben helfen?

Dazu die grundsätzliche Bemerkung: die Kinder sollen in der Schule lernen, nicht die Eltern!

Wir sollten die Eltern von dem absoluten Leistungsdenken und Erfolgszwang abbringen. Kinder sind geneigt, sich ganz schnell auf die Mithilfe der Eltern zu verlassen. Wir helfen unseren Kindern nicht , indem wir ihre Schularbeiten machen. Eine ungefähre Richtlinie für Eltern sollte sein:

Bei Hausaufgaben im:

1. Schuljahr: wo nötig, danebensitzen und helfen.

2. Schuljahr: (wo nötig), danebensitzen, aber nur helfen, wenn unbedingt nötig

3. Schuljahr: das Kind allein die Hausaufgaben erledigen lassen, nur helfen, wenn das Kind gezielt fragt. (Diktat diktieren, Gedicht abhören, Kopfrechnen, Vorlesen).

4. Schuljahr: selbstständig arbeiten, nur helfen, wenn nötig.

Ab dem 5. Schuljahr: selbstständig Schularbeiten erledigen, immer weniger Kontrolle, auch auf die Gefahr hin, dass das Kind nicht alles richtig hat, oder nicht alles verstanden hat. Eltern sollten nur kontrollieren, ob die Hausaufgaben erledigt wurden.

 

5.  Disziplinar- und Strafmaßnahmen

Pädagogische Überlegungen:

Pädagogisch sollte auf das Fehlverhalten eines Schülers so reagiert werden, dass der Schüler zur Einsicht kommt, sodass er daraufhin sein Verhalten ändern kann. Eine angemessene Strafmaßnahme sollte ebenfalls diesem Ziel dienen. Es muß auch bedacht und beobachtet warden, inwiefern das Fehlverhalten die Folge psychologischer Probleme ist. (z.B. Familienprobleme, Anpassungsprobleme, unbewältigte Ängste, schwaches Selbstbild, Geltungssucht, u.a.) Werden solche Ursachen erkannt, darf die Strafmaßnahme nicht direkt eine Reaktion auf das Fehlverhalten sein. Ein helfendes Gespräch sollte in solchen Fällen - wenn nötig mit Hilfe eines Psychologen - immer an erster Stelle stehen.

Maßnahmen und Verfahren bei Fehlverhalten von Schülern:

•  Das Recht, eine Diziplinar- / Strafmaßnahme anzuordnen, haben alle Lehrkräfte der P.S.S. Schwerwiegende Maßnahmen sollen nur nach Absprache mit dem Schulleiter durchgeführt werden.

•  Kollektivstrafen sind möglichst zu vermeiden.

•  Strafmaßnahmen sollen so sein, dass der Schüler mit der Strafe leben kann:

•  Das Strafmaß muß dem Fehlverhalten angemessen sein.

•  Das Alter des Schülers ist zu berücksichtigen.

•  Die Strafe darf kein Racheakt sein.

•  Die Strafe soll nicht die Absicht haben, den Schüler zu verletzen, seine Ehre zu kränken.

•  Körperliche Züchtigung ist unter keinen Umständen gestattet.

•  Es sollte auf jeden Fall ein persönliches Gespräch mit dem Schüler geführt werden.

•  Der Schüler darf nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden. Bei wiederholter Störung des Unterrichts kann der Lehrer dem Schüler zusätzliche Arbeit zuteilen. (wo möglich, auch isoliert)

•  Der Schulleiter ist in jedem Fall über schwerere Strafmaßnahmen zu informieren, beziehungsweise zu konsultieren.

•  Jede Lehrkraft der P.S.S. sollte um eine "freie" Disziplin in der Klasse bemüht sein, ohne Überdisziplinierung oder Disziplinlosigkeit.

•  Die Schüler sollten stets dazu angehalten werden, aus Respekt gegenüber Mitschülern und Lehrkräften, Selbstdisziplin zu üben.

 

6.  Hilfe zum Lernen bei Problemen in der Klasse

Lernen durch Erfahrung ist eine wichtige Grundlage dafür, Problemlösungen zu suchen und zu erkennen. Die Kinder sollen ermutigt werden, für ihr Handeln selbst die Verantwortung zu übernehmen und eigene Probelmlösungen zu finden. Um dieses realisierbar zu machen, kann der Lehrer folgende "Hilfe" geben:

•  Möglichst wenige, sorgfältig überlegte Regeln aufstellen.

•  Auf Einhaltung bestimmter Regeln in der Klasse bestehen.

•  Bei Regelüberschreitung vorwarnen und eventuell Maßnahmen ergreifen.

•  Erfolgserlebnisse vermitteln, positives Verhalten verstärken.

•  Konsequent Leistung verlangen ohne Überforderung.

•  Den Kindern Problembewältigung zutrauen.

•  Bewegungsdrang kanalisieren, entspannende Phasen in den Unterricht einbauen.

•  Als gutes Beispiel (der Erwachsenen) bei Konfliktlösung und auf aggressives Verhalten zu reagieren.

•  Konzentrationsschwachen Kindern kleine Hilfen und Verstärkungen geben und zu Eigenleistungen ermutigen.

•  Höflichkeitsformen in der Klasse festlegen und üben. (Klassenordnung)

 

7.  Lernkontrolle und Leistungsbewertung

Diktate, Aufsätze, Klassenarbeiten, Projekte, Experimente, Gedichte, Vorträge und Diskussionen:

Lernkontrollen sind Bestandteile des Unterrichts und müssen sich am erarbeiteten Lernstoff, seinen Lernzielen und Inhalten orientieren. Dem Lehrer ermöglichen sie Rückschlüsse auf den Unterrichtserfolg, auf den Leistungsstand und auf das Leistungsvermögen des einzelnen Schülers. Außerdem geben Lernkontrollen Hinweise für Planung der weiteren Unterrichtsarbeit und informieren Eltern und Schüler über den gegenwärtigen Leistungsstand.

Lernkontrollen und Leistungsbewertung können mündlicher, schriftlicher oder anderer fachspezifischer Art sein, (z.B. Experimente, Collagen, usw.) wobei die Ergebnisse mündlicher und schriftlicher Lernkontrollen zu bewerten sind.

Bei der Beurteilung des Schülerleistung sind:

•  Kenntnisse

•  Fertigkeiten

•  Fähigkeiten

•  Einsatzbereitschaft und

•  individueller Lernfortschritt zu berücksichtigen.

Die individuellen Leistungen der Schüler sind in Beziehung zu setzen zum Leistungsstand der Klasse und zu den verbindlichen Anforderungen des Lehrplanes. Die pädagogische Seite der Leistungsbeurteilung verlangt über die Bewertung einzelner Leistungen außerdem ein intensives Beobachten des gesamten Lernprozesses um jeden Schüler optimal zu fördern.

Die schriftlichen Lernkontrollen werden im Klassenverband geschrieben. Lernkontrollen und Leistungsbewertung sollte auf einer regelmäßigen Basis durchgeführt werden und nicht nur zum Ende eines jeden Trimesters.

 

8.  Arbeitsgemeinschaften, organisierte Freizeit-gestaltung

Für die meisten Kinder steht die Schule zwar im Vordergrund, aber nicht im Mittelpunkt ihres Interesses. Da die Schule nicht Selbstzweck, sondern notwendiges "Durchgangsstadium" ist, gewinnt die Freizeit immer mehr an Bedeutung. Das Kind kennt und praktiziert Neigungen, die in der Schule nicht realisiert werden können, wobei der Spielraum oft weit gestreckt ist. (Musik, Sport, Technik, Briefmarken, Kunst, Gemeinschaft, u.a.)

Das entscheidende Kriterium liegt in der aktiven und zugleich originellen Freizeitgestaltung. Wir, als Lehrer, sollten die Schüler motivieren, nicht dem Konsumdruck von Fernsehen, Comics, Kino und Computerspielen zu erliegen. Zwar sind diese Schüler oft besser informiert, sie wissen über die Aktualitäten des Alltags Bescheid, aber eine vertiefte Reflextion findet nicht statt; sie ist rezeptiv und unter Gefühl der Langeweile und des Unbehagens ein.

Wir sollen Schüler mit ihren Fähigkeiten experimentieren lassen, denn Freizeit-Erfolge setzen neue Motivationen. Sie unterstehen keinem Leistungsdruck und Notengebung, sie schaffen Selbstvertrauen. Dabei sind ebenfalls die Interessen und Fähigkeiten der verschiedenen Geschlechter zu berücksichtigen.

So sollten auf regelmäßiger Basis "Arbeitsgemeinschaftstage" stattfinden, bei den die Kinder ihren Kameraden ihr Hobby, ihre Sportart, Musikinstrument, und dergleichen vorführen, vorspielen können. Diese organisierten Arbeitsgemeinschaftstage stärken die Schulgemeinschaft und lassen leistungsschwache Schüler oft zu ihrem Recht kommen.

Vorschläge organisierter Freizeitgestaltung an der P.S.S.:

Schach, Federball, Volleyball, Schulchor, Schulorchester, Theatergruppe, u.a.

 

9.  Ausflüge, Exkursionen, Projekt- und Schulungs-wochen

Ein Überblick über die schulischen Möglichkeiten wäre unvollständig, würde man die Ausflüge, Exkursionen, Projekt- und Schulungswochen nicht mit einbeziehen. Es ist erwiesen, dass Kinder durch praktisches, exemplarisches Lernen am meisten ansprechbar sind. Für die P.S.S. ist folglich einmal jährlich eine Projektwoche in Swakopmund geplant, die unter einem vorher zu bearbeitenden Thema steht, sowie eine Schulungswoche außerhalb Swakopmunds. Auch hierbei werden gewisse inhaltliche Schwerpunkte gesetzt und die Mitarbeit der Eltern erwünscht.

Zusätzlich ist es erwünscht, dass jeder Lehrer die pädagogisch reizvollen Möglichkeiten in und um Swakopmund ausnutzt und Exkursionen durchführt (z.B. regelmäßiger Bibliotheksbesuch, Museum, Sam Cohen Bibliothek, Salzpfanne, Gerberei, Weberei, usw.)

Der Lehrer, der eine Exkursion unternimmt, trägt zwar die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung, aber er kann Eltern um Unterstützung und Mithilfe bitten. Alle Ausflüge / Exkursionen sind so zu gestalten, dass die ganze Klasse daran teilnehmen kann. Die Kosten müssen sich in bescheidenen Grenzen halten. Entscheidend für den Erfolg jeglicher Ausflüge, Exkursionen, Projekt- und Schulungswochen ist die Einstellung, das Verantwortungsgefühl und die gründliche Vorbereitung des Lehrers.

 

10.  Lehrer und Eltern - Schule und Elternhaus

Es ist wünschenswert, dass bei der Erziehung eines Kindes eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Schule und dem Elternhaus besteht. Eine Form der Zusammenarbeit ist, z.B. das Treffen mit Eltern am Elternabend mit einem Vortrag / Referat über pädagogische Themen oder gezielter Gruppenarbeit. Wir müssen für die P.S.S. die bestmöglichen Formen der Zusammenarbeit finden.

Einige Möglickeiten der Eltern-Lehrer-Kooperation sind:

(i) Elternsprechstunde: Hierbei ist das Hauptproblem, dass sich Eltern offenbar schwer tun, den Weg in die angesetzte Sprechstunde zu finden. Der Vorteil ist, dass man individuell auf jedes Elternpaar / Erziehungspartner und ihre Anliegen / Probleme mit ihrem Kind eingehen kann.

(ii) Elternabend: Hierbei sollten pädagogische Themen im Vordergrund stehen, Sowie auch organisatorische und allgemeine Dinge besprochen werden.

(iii) Geselliges Beisammensein: Bei dieser Form der "gelockerten Kommunikation" sind Eltern meist zugänglich und aufgeschlossen für intensive Gespräche, die sich auf spätere Kooperation in erzieherischen Fragen nutzbringend auswirken.

(iv) Feste und Feiern: Hierbei kann der Lehrer die Chance nutzen, die Eltern bei der Vorbereitung und Planung mit einzubeziehen.

(v) Ausstellung von Wertstücken, Arbeitsergenissen: Um die Arbeit mit den Kindern transparent zu machen und um die Eltern stärker für das Schulgeschehen zu interessieren, sollten auf regelmäßiger Basis die Arbeiten der Kinder ausgestellt werden. Auch hierbei können Eltern motiviert werden, bei der Vorbereitung und Durchführung helfend mitzuwirken.

(vi) Gespräche mit den Elternvertretern: Unser Schulleben ist inzwischen bis zu einem bestimmten Grad demokratisiert. Eltern können durch ihren gewählten Vertreter Einfluß nehmen; der Lehrer kann sich aber auch über die Elternvertreter an die Elternschaft seiner Klasse wenden.

(vii) Elternbrief: Die schriftliche Kommunikation des Lehrers mit den Eltern reicht vom kurzen Info-Brief, z.B. im Elternheft oder Schreibheft, über den ausführlichen Elternbrief bis zum regelmäßig erscheinenden Schulrundbrief.

(viii) Elternheft: Diese "dauernde" Kommunikation zwischen den Eltern und dem Lehrer ist mit guter Organisation rasch und unkompliziert durchzuführen. Auftauchende Schwächen / Probleme können sofort angepackt werden, ebenso wie das leistungsmotivierende Loben des Kindes in dem Elternheft.

 

11.  Lehrerversammlung, pädagogischer Tag, Lehrerfortbildung

  •  Lehrerversammlung:

Diese soll einmal wöchentlich in gestraffter Form stattfinden. Hier werden organisatorische und arbeitspädagogische Dinge besprochen. Auftauchende Probleme, Anliegen oder Vorhaben werden auf einer monatlichen Lehrerkonferenz besprochen.

•  Pädagogischer Tag:

Dieser ist, bei guter Vorbereitung, eine Lernform, in der das ganze Kollegium über sich und miteinander lernt. Das gemeinsame Arbeiten und Nachdenken über pädagogische Themen in ihrer Verbindung zur P.S.S. läßt sich in vielfältigen Formen organisieren. Es ist eine Form der schulinternen Fortbildung und sollte an einem "normalen" Schultag stattfinden.

•  Lehrerfortbildung:

Grundsätzlich sollten alle Lehrer der P.S.S. an jeder für sie zutreffenden und akzeptablen Lehrerforbildung teilnehmen. Abgesehen von der eigenen Weiterbildung ist auch der Kontakt und Gedankenaustausch mit Kollegen anderer Schulen wichtig und von unschätzbarem Wert. Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass eine gewollte oder ungewollte Isolation nicht wünschenswert ist. Das regelmäßige Treffen mit Kollegen der Privatschule in Namibia sollte auf unserem jährlichen Terminkalender stehen.


Zusammenfassung

Zusammenfassend seien hier kurz die Grundsätze, Bildungsziele und Inhalte des pädagogischen Konzeptes genannt:

Grundsätze:

  • das Zusammenwirken aller am Erziehungsprozess Beteiligten (Schule, Elternhaus, Schulträger).
  • mit Natur und Umwelt verantwortungsbewußt umgehen.
  • ethische und christliche Grundsätze respektieren.
  • hohe Leistungen anzustreben.

Bildungsziele:

Die Lehrkräfte helfen ihren Schülern auf dem Weg:

  • zu tolerantem Miteinander in einer freien, demokratischen Gesellschaft.
  • zu verantwortlichem Handeln und selbständigen Urteil zu befähigen
  • zur freien Entfaltung der Persönlichkeit und zur Unabhängigkeit
  • zu ermutigen, sich für die Gemeinschaft einzusetzen.

Inhalte:

  • eine optimale Ausbildung unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit des einzelnen Schülers
  • Unterricht in wissenschaftlichen und musisch-künstlerischen Fächern in Bezug auf spätere Berufe
  • eine anregende, dynamische Lernumgebung
  • pädagogisch bewährte und moderne Lehr- und Lernmethoden
  • deutsche und namibische Lerninhalte und Lernmethoden kombinieren
  • einen qualifizierten deutsch- und englischsprachigen Unterricht.